ANW Deutschland16.07.2026

ANW Deutschland - Newsletter 2

Newsletter 2 | Juli 2026 Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Deutschland e.V.

Liebe ANW-Mitglieder, liebe Waldfans,

seit der ersten Ausgabe unseres Newsletters „ANW imPuls“ im Februar ist viel passiert in der Szene naturgemäßer Waldwirtschaft: So fand im Juni die ANW-Bundestagung in Bitburg statt, EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall ging mit uns auf Dauerwald-Exkursion und wichtige Bildungs- und Forschungsvorhaben wurden vorangetrieben, bewilligt und realisiert – um nur einige Highlights zu nennen.
Außerdem: Im Herbst haben Sie erstmals Gelegenheit, im Rahmen der Deutschen Waldtage mit den ANW-Beispielbetrieben den „Tag des Dauerwalds“ zu begehen. Erfahren Sie mehr auf den folgenden Seiten!

Herzliche Grüße und bis bald im Wald!
Ihr und Euer Hans von der Goltz | Bundesvorsitzender der ANW

Aus der Bundes-ANW

EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall besucht Dauerwald

Auf Einladung der ANW Deutschland besuchte EU-Umweltkommissarin Jessika Roswall am 17. Juni 2026 das staatliche Forstrevier Allerheiligen am Fuße des Schwarzwalds. Bei einer Führung von Revierleiter Peter Schmiederer und moderiert vom ANW-Bundesvorsitzenden Hans von der Goltz informierte sie sich zusammen mit hochrangigen Vertretern aus dem Bund und Baden-Württemberg zu den Potenzialen von Dauerwäldern und naturgemäßer Waldwirtschaft.
In Brüssel wird seit Jahren nach einem konsensfähigen Weg zum Waldumbau im Klimawandel gesucht. Widerstreitende Interessen unterschiedlicher gesellschaftlicher Gruppen haben bisher die Verständigung auf ein tragfähiges Konzept verhindert. Bei der Führung hat die ANW aufgezeigt, dass der wirtschaftlich erfolgreiche und gleichzeitig ökologisch verantwortungsvoll bewirtschaftete Dauerwald Brücken bauen kann. Dies stieß auf großes Interesse. Ein weiteres Diskussionsthema war das Nature Restoration Law. Dabei ging es u.a. um die Frage, ob die Waldresilienz als dynamischer Indikator geeignet wäre, die Zukunftsfähigkeit des Waldes zu bewerten.
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v.l. Landwirtschaftsministerin Baden-Württemberg M. Gentges, Präsident Pro Silva T. Vrska, Umweltkommissarin J. Roswall, ANW-Bundesvorsitzender H von der Goltz,  EU Policy Officer Forests S. Schmidt Foto: S.P. Pereira

Rückblick: ANW-Bundestagung vom 18. bis 20. Juni in Bitburg

Nicht angepasste Wildbestände sind Hauptstörfaktor beim Aufbau zukunftsfähiger, resilienter Wälder. Daher stand die ANW-Bundestagung 2026 unter dem Motto „Wild auf Dauerwald“. Mit Vorträgen und Exkursionen wurden Probleme und hoffnungsvoll stimmende Lösungen aufgezeigt und erklärt. Die rund 450 Teilnehmenden – so das Feedback – konnten zahlreiche gute Ideen mit nach Hause nehmen. Besonders erfreulich: Gut ein Drittel war jünger als 35 Jahre! Eine ausführliche Berichterstattung folgt im Dauerwald Nr. 74.
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ANW-Bundestagung 2026 – Exkursion in den kommunalen Forstbetrieb Neunkirchen: Gemeindeförsterin Anne Koch diskutiert ihr Vorgehen mit den Exkursionsteilnehmenden | Foto: BvB

Nature Restoration Law – die Zweite

Der EU-Rat hat das Gesetz zur Wiederherstellung der Natur am 17. Juni 2024 beschlossen, es trat am 18. August 2024 in Kraft. Die Länder haben begrenzte Möglichkeiten, es individuell anzupassen. Die ANW hat konstruktiv an Lösungsvorschlägen mitgearbeitet, z.B. im Rechtsausschuss des Deutschen Forstwirtschftsrats (DFWR) und bei Gesprächen mit dem Bundeslandwirtschaftsministerium (BMLEH) und dem Bundesumweltministerium (BMUKN). U.a. hat sie den Vorschlag eingebracht, zur Beurteilung der Zukunftsfähigkeit des Waldes die Waldresilienz als dynamischen Indikator zu verwenden – anstelle der bisher vorgesehenen statischen Indikatoren. Zurzeit wird mit Brüssel geprüft, ob der eingeräumte „Interpretationsspielraum“ einen solchen Weg zulässt.

Aus den Projekten

Pfahlwurzler

Pfahlwurzelbildende Baumarten wie Eiche, Esskastanie oder Weißtanne werden von Baumschulen oft als dreijährig verschulte Pflanzen mit gekappter Pfahlwurzel angeboten. Für Stabilität und Wasserversorgung der Pflanzen ist es entscheidend, ob sich die Pfahlwurzel regeneriert oder nicht. Dies kann nun im Rahmen eines Projekts der ANW zusammen mit der Universität Göttingen untersucht werden. Die Mittel dafür wurden im Juni 2026 bewilligt.

Eignung Weißtannen-Herkünfte: Wiederholungsaufnahmen

2021 wurden im Rahmen eines von der ANW initiierten und vom Bundeslandwirtschaftsminis-terium (BMLEH) geförderten Projektes auf bundesweit 59 Versuchsflächen Weißtannen unter-schiedlicher deutscher Herkünfte und einer rumänischen Herkunft gepflanzt. Vitalität und Zuwachs werden 2026 zum dritten Mal erfasst. Wir gehen davon aus, dass nach dieser Aufnahme erste vorsichtige Prognosen hinsichtlich der Eignung von Herkünften möglich sind.

Naturnahe Waldwirtschaft in der Ukraine

Unter der Leitung der ANW-Landesgruppe Sachsen hat vom 20. bis 26. Juni 2026 die dritte Fortbildung für 20 ukrainische Forstleute in Eibenstock (Erzgebirge) stattgefunden. Als Signal für die besondere Bedeutung unseres Schulungsangebotes kann gewertet werden, dass der Generaldirektor des Staatlichen Forstunternehmens „Wälder der Ukraine“, Viktor Smal, vier Tage teilgenommen hat. Er ist verantwortlich für die Bewirtschaftung von 10,4 Millionen Hektar Waldfläche. Als Ergebnis der Schulungen wird 2027 in vier großen Karpatenregionen naturna-he Waldwirtschaft unter Verzicht auf jegliche Kahlschläge verbindlich angeordnet – ein sensa-tionelles Ergebnis des intensiven Austauschs. Das Projekt wird über die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung (BLE) durch das BMLEH gefördert.
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Ukraine meets Eibenstock - Fortbildung von ukrainischen Forstleuten durch die ANW-Landesgruppe Sachsen im Forstbezirk Eibenstock, Juni 2026 | Foto: Alexander Clauß

Life-Projekt: Dauerwald-Übungsparcours bewilligt

Viele möchten wissen, wie der Wechsel vom Altersklassenwald in naturnahen Dauerwald funktioniert. Es muss ja viel mehr beachtet werden, als nur auf Kahlschläge zu verzichten. Zum 1. Juli 2026 hat die EU-Kommission ein europäisches Life-Projekt bewilligt, in dessen Rahmen im staatlichen Forstbezirk Eibenstock (Erzgebirge) für den Bergmischwald und im Privatbetrieb Massow der Hatzfeldt’schen Forstverwaltung (Brandenburg) für kontinentale Kiefernwälder Dauerwald-Übungsparcours angelegt werden sollen. Erfahrene ANWler werden die wesentlichen Schritte zum Dauerwald allgemeinverständlich im Wald erlebbar machen. Wir freuen uns, Interessierten demnächst bei der Umstellung ihrer Waldbewirtschaftung besser helfen zu können.

WiWaldI I: Film zum strukturierten Waldbegang online

Damit Waldbesitz und Jagd ein Verständnis für die Anliegen der jeweils anderen entwickeln und besser an einem Strang ziehen, hilft ein gemeinsamer strukturier-ter Waldbegang. Aber wie setzt man den um? Das erklärt ein neuer Film, der im Rahmen des Projekts Wild – Wald – Innovation (WiWaldI) entstanden ist. Er wurde auf der ANW-Bundestagung am 18. Juni erstmals gezeigt und ist ab sofort online abrufbar – inkl. Checkliste. Realisiert hat die ANW den 10-minütigen Film gemeinsam mit EFI, der Kreisjägerschaft Freiburg, PEFC und FORSTerklärt. Parallel belegt eine aktuelle Publikation der HAWK Göttingen den Langzeiteffekt von Verbissdruck auf zukunftsfähige Mischwälder.
Film „Der strukturierte Waldbegang – ein Schlüssel für zukunftsfähige Wälder und Jagd“:
> Der strukturierte Waldbegang – ein Schlüssel für zukunftsfähige Wälder und Jagd

WiWaldI II: Wechsel im Team

Im WiWaldI-Team gab es Veränderungen: Seit 1. Juni 2026 arbeitet die bisherige Projektkoordinatorin Hanna von Versen als Referentin der Betriebsleitung beim Landesbetrieb Forst Brandenburg. Das Projekt WiWaldI begleitet sie weiterhin in Teilzeit. Die Projektkoordination übernehmen Dr. Alexander Seliger von der HAWK Göttingen und der ANW-Bundesvorsitzende Hans von der Goltz.

Internationales

Wechsel im Vorstand von Pro Silva Schweiz

Mélila Saucy (29) ist seit 30. April 2026 neue Präsidentin von Pro Silva Schweiz. Die Revierförsterin und stellvertretende Leiterin des Forstbetriebs Leberberg (Kanton Solothurn) folgt auf Erwin Schmid, der nach 14 Jahren als Präsident aus dem Vorstand ausschied. Saucy war seit 2024 Beisitzerin im siebenköpfigen Vorstand von Pro Silva Schweiz. Als neuen Beisitzer wählten die Mitglieder den Zürcher Stadtförster Nils Schönenberger.
Mehr Infos: www.prosilva.ch/vorstand/

Stärkung von Pro Silva Europa

Tomáš Vrška, seit 2024 Präsident von Pro Silva Europa, ist es gelungen, wichtige Weichen für die politische und finanzielle Stärkung von Pro Silva Europa zu stellen. So wird Pro Silva mit ihm oder seinem Stellvertreter Dr. Hubertus Lehnhausen ab sofort in entscheidenden Sitzungen der EU-Gremien vertreten sein. Zudem haben zwei Stiftungen für die nächsten drei Jahre Mittel zugesagt, mit denen Pro Silva eine professionell besetzte Geschäftsstelle einrichten kann, die sich europaweit für naturgemäße Waldwirtschaft einsetzt.

Veranstaltungen

Erster „Tag des Dauerwalds“ bei den Deutschen Waldtagen

Erster „Tag des Dauerwalds“ bei den Deutschen Waldtagen
Unter dem Motto „Wald und Wirtschaft“ finden vom 18. bis 20. September 2026 die Deutschen Waldtage statt. Mit dabei sind diesmal auch zahlreiche ANW-Beispielbetriebe, die erstmalig bei einem „Tag des Dauerwalds“ zu Exkursionen in ihre Wälder laden. Wer als Veranstalter als ANW-Mitglied noch eine Exkursion anbietennoch mitmachen möchte, melde sich bitte auf dem Portal der Deutschen Waldtage an. Wer an einer Exkursion teilnehmen will, kann dort ab Anfang September die Veranstaltungen in seiner Nähe abrufen.
> Mehr Informationen zu den Deutschen Waldtagen
https://www.deutsche-waldtage.de/regionale-veranstaltungen/veranstaltung-anmelden

Aus den Landesgruppen

Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern

Es gibt Vorwürfe über ein Fehlverhalten des Landesforstbetriebes Mecklenburg-Vorpommern bei der Bewirtschaftung von Buchenbeständen im Umfeld des Naturwaldreservates „Heilige Hallen“. Am 27. Januar 2026 fand vor Ort ein fachlicher Austausch mit dem Vorstand der ANW-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern, Vertretern des Landesforstbetriebes und dem Forstamt Lüttenhagen statt. Die Aussage der ANW: Die Ursache der Konflikte ist klar benennbar. Die weiterhin praktizierte Altersklassenwirtschaft insbesondere in Form großflächiger Schirmschläge steht in direktem Widerspruch zu den Anforderungen einer modernen, naturgemäßen Waldwirtschaft sowie des Naturschutzes. Die propagierte Hinwendung zur Dauerwald-Idee bleibt in dieser Region ohne praktische Umsetzung.

Publikation

Handbuch Regiejagd

Die Hochschule für Forstwirtschaft Rottenburg hat ein neues „Handbuch Regiejagd – ein Leitfaden für die Eigenbewirtschaftung der Jagd“ veröffentlicht. Es richtet sich insbesondere an Kommunen, Jagdgenossenschaften und Waldbesitzende, die neue Wege in der Organisation der Jagd gehen möchten. Neben rechtlichen Grundlagen und organisatorischen Fragen behandelt das praxisorientierte Handbuch auch wirtschaftliche Aspekte, den Aufbau von Jagdteams und Möglichkeiten der Wildbretvermarktung.
> Handbuch Regiejagd

Impressum
ANW imPuls | Juli 2026
Herausgeber: Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft Deutschland e.V. (ANW)
Vorsitzender: Hans von der Goltz
Poststraße 7 | 57392 Schmallenberg
Redaktion: Hans von der Goltz, Johannes Odrost, Kathleen Schrichten, Benita von Behr