Das Dauerwald-Zertifikat der ANW
Entstehung
Mit der Einführung der Bundes-Waldprämie wurde den ANW- Betrieben der Zugang zu staatlichen Förderprogrammen verweigert, wenn sie nicht Mitglied bei FSC oder PEFC werden wollen.
Das war ein herber Schlag für die im Sinne der ANW naturgemäß wirtschaftenden Betriebe, die eine vorbildliche Waldbewirtschaftung mit stabilen und resilienten Wäldern in Deutschland und Europa vorweisen können.
Die Idee entstand, ein eigenes Zertifikat zur unabhängigen Bestätigung ihrer besonders nachhaltigen Waldbehandlungsgrundsätze zu entwickeln.
Die ANW-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern hat sich mit großem Arbeitsaufwand dem Thema gestellt und ein Dauerwald-Zertifikat entwickelt, das von der Bundesregierung als gleichwertig mit FSC und PEFC anerkannt und inzwischen auch von der ANW-Landesgruppe Bayern übernommen wurde. Zahlreiche private Forstbetriebe und auch kommunale und Stiftungs-Forstbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, die sich der naturgemäßen Waldbewirtschaftung verschrieben haben, kommunizieren inzwischen ihre Art der vorbildlichen Waldbewirtschaftung ihren Kunden, der Gesellschaft und unterschiedlichen Wald-Interessengruppen in normierter und neutral geprüfter Form. Ihrer Meinung nach bildet dieses Dauerwaldzertifikat die konkreten Ergebnisse und Zielsetzung ihrer naturgemäßen Waldbewirtschaftung am besten ab. Die interessierten Betriebe wollten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht den etablierten Zertifizierungssystemen PEFC oder FSC anschließen.
Vergleichbarkeit und Prüfung
Die relevanten ökonomischen, ökologischen und sozialen Grundsätze des Dauerwald-Zertifikates vorbildlicher Waldbewirtschaftung sind in ihrer Wirkung nur bedingt mit denen von FSC und PEFC vergleichbar. Sie liefern dem neutralen Prüfer (Auditor) aber auch eine systematische Grundlage zu einer effizienten und einzelbetrieblichen Prüfung (Audit). Aus diesem Grund hat eine Arbeitsgruppe der ANW-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern ausgehend von den ANW-Grundsätzen normative Standards und Kriterien entwickelt, zu denen prüfbare Indikatoren und messbare Parameter hinzugefügt wurden. Dabei werden die Standardkonformität, sowie Abweichungsgrade davon klar definiert und entsprechende Qualifizierung, Änderungsanforderungen im zeitlichen Rahmen oder auch Gründe für Zertifikatsentzug genannt. Eine Produktketten-Zertifizierung (COC) ist momentan nicht vorgesehen, aber eine freiwillige Produktverfolgung durch Kennzeichnung mit dem jeweiligen Landesgruppen-Zertifikatlogo ist seitens unserer Holzkäufer unbürokratisch möglich. Die Nachfrage dazu steigt.
Stabilitätsfaktoren für naturgemäße Wälder
Wälder in Mitteleuropa unterliegen seit längerem teilweise extremem Stress durch klimatische Veränderungen. Dieser prekären Situation möchten die Autoren und die teilnehmenden Betriebe mit aus den Standards heraus erarbeiteten Stabilitätsfaktoren für stabilere und resilientere Wälder begegnen. Als unverzichtbare Waldökosystemleistungen werden u.a. bezeichnet:
● Optimale Kühlung durch vertikal und horizontal strukturierte Dauerwälder auf intakten Waldböden
● Stetige Stoffspeicherung durch vielschichtigen Dauerwald mit allen Entwicklungsphasen und hohen Anteilen an Reife-, Alters- und Zerfallsphasen, sowie optimaler Baumartenmischung
● Vitale Photosynthese durch intensiv gemischten Stockwerksaufbau mit Blatt / Nadelschichtung im gesamten Lichtraum und permanenter, intakter und gemischter Nachwuchsdynamik
● Hohe Habitatdiversität (Proxy für Biodiversität) durch Struktur- und Artenvielfalt und standörtlich, wie klimatisch angepasste natürliche Dauerwaldgesellschaften
Diese Stabilitätsfaktoren sind bei jedem Kriterium bzw. jedem Indikator explizit benannt und fokussieren somit wiederholt die Bedeutung der Dauerwaldbewirtschaftung in diesem Zertifizierungsprozess. Die Berücksichtigung dieser Stabilitätsfaktoren bei der Waldbewirtschaftung führt nachweislich zu stabileren und resilienteren Wäldern.
Fazit
Das nach qualitativ hochwertigem Audit (der Zertifikatgeber hält eine Akkreditierung nach den ISO Normen 17021 für Waldzertifizierung in Deutschland und ist durch ASI (Assurance Services International) für Waldzertifizierung weltweit akkreditiert), erteilte ANW-Dauerwaldzertifikat in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ist ein umfassendes ökologisches Betriebszertifikat der Dauerwaldbewirtschaftung und signalisiert eine regional sichere und ökologisch nachhaltige Bewirtschaftungsform, insbesondere unter den besonderen Herausforderungen des Klimawandels.
Das Zertifikat wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) nach umfangreicher Prüfung und Begutachtung als höherwertig wie PEFC und gleichwertig wie FSC/Naturland anerkannt. Den teilnehmenden Betrieben wurde der Höchstsatz der Bundeswaldprämie wie für FSC/Naturland zuerkannt. Es legitimiert die teilnehmenden zertifizierten Betriebe z.B. zur Beantragung von Fördermitteln nach dem Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ und deren Überprüfung durch die Zertifizierer nach dem zusätzlich entwickelten ANW-Zertifikatsmodul
(FMR) Forest Management System für klimaResiliente Waldwirtschaft,
welches ebenfalls vom BMLEH genehmigt wurde. Zugangsmöglichkeiten zu einem sicheren CO2-Handel für ANW zertifizierte Dauerwaldbetriebe sind perspektivisch vorstellbar.
Die Zertifizierungsgrundlagen und Standards werden in einer Standardrevision aktuell den in 2024 verabschiedeten neuen Grundsätzen und Leitlinien der ANW angepasst und stehen in alter und demnächst neuer Form weiterhin allen ANW-Landesgruppen zur eigenen Anwendung offen.
Hans von der Goltz
Franz-Sales Fröhlich
Holger Weinauge
Entstehung
Mit der Einführung der Bundes-Waldprämie wurde den ANW- Betrieben der Zugang zu staatlichen Förderprogrammen verweigert, wenn sie nicht Mitglied bei FSC oder PEFC werden wollen.
Das war ein herber Schlag für die im Sinne der ANW naturgemäß wirtschaftenden Betriebe, die eine vorbildliche Waldbewirtschaftung mit stabilen und resilienten Wäldern in Deutschland und Europa vorweisen können.
Die Idee entstand, ein eigenes Zertifikat zur unabhängigen Bestätigung ihrer besonders nachhaltigen Waldbehandlungsgrundsätze zu entwickeln.
Die ANW-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern hat sich mit großem Arbeitsaufwand dem Thema gestellt und ein Dauerwald-Zertifikat entwickelt, das von der Bundesregierung als gleichwertig mit FSC und PEFC anerkannt und inzwischen auch von der ANW-Landesgruppe Bayern übernommen wurde. Zahlreiche private Forstbetriebe und auch kommunale und Stiftungs-Forstbetriebe in Mecklenburg-Vorpommern, die sich der naturgemäßen Waldbewirtschaftung verschrieben haben, kommunizieren inzwischen ihre Art der vorbildlichen Waldbewirtschaftung ihren Kunden, der Gesellschaft und unterschiedlichen Wald-Interessengruppen in normierter und neutral geprüfter Form. Ihrer Meinung nach bildet dieses Dauerwaldzertifikat die konkreten Ergebnisse und Zielsetzung ihrer naturgemäßen Waldbewirtschaftung am besten ab. Die interessierten Betriebe wollten sich aus unterschiedlichen Gründen nicht den etablierten Zertifizierungssystemen PEFC oder FSC anschließen.
Vergleichbarkeit und Prüfung
Die relevanten ökonomischen, ökologischen und sozialen Grundsätze des Dauerwald-Zertifikates vorbildlicher Waldbewirtschaftung sind in ihrer Wirkung nur bedingt mit denen von FSC und PEFC vergleichbar. Sie liefern dem neutralen Prüfer (Auditor) aber auch eine systematische Grundlage zu einer effizienten und einzelbetrieblichen Prüfung (Audit). Aus diesem Grund hat eine Arbeitsgruppe der ANW-Landesgruppe Mecklenburg-Vorpommern ausgehend von den ANW-Grundsätzen normative Standards und Kriterien entwickelt, zu denen prüfbare Indikatoren und messbare Parameter hinzugefügt wurden. Dabei werden die Standardkonformität, sowie Abweichungsgrade davon klar definiert und entsprechende Qualifizierung, Änderungsanforderungen im zeitlichen Rahmen oder auch Gründe für Zertifikatsentzug genannt. Eine Produktketten-Zertifizierung (COC) ist momentan nicht vorgesehen, aber eine freiwillige Produktverfolgung durch Kennzeichnung mit dem jeweiligen Landesgruppen-Zertifikatlogo ist seitens unserer Holzkäufer unbürokratisch möglich. Die Nachfrage dazu steigt.
Stabilitätsfaktoren für naturgemäße Wälder
Wälder in Mitteleuropa unterliegen seit längerem teilweise extremem Stress durch klimatische Veränderungen. Dieser prekären Situation möchten die Autoren und die teilnehmenden Betriebe mit aus den Standards heraus erarbeiteten Stabilitätsfaktoren für stabilere und resilientere Wälder begegnen. Als unverzichtbare Waldökosystemleistungen werden u.a. bezeichnet:
● Optimale Kühlung durch vertikal und horizontal strukturierte Dauerwälder auf intakten Waldböden
● Stetige Stoffspeicherung durch vielschichtigen Dauerwald mit allen Entwicklungsphasen und hohen Anteilen an Reife-, Alters- und Zerfallsphasen, sowie optimaler Baumartenmischung
● Vitale Photosynthese durch intensiv gemischten Stockwerksaufbau mit Blatt / Nadelschichtung im gesamten Lichtraum und permanenter, intakter und gemischter Nachwuchsdynamik
● Hohe Habitatdiversität (Proxy für Biodiversität) durch Struktur- und Artenvielfalt und standörtlich, wie klimatisch angepasste natürliche Dauerwaldgesellschaften
Diese Stabilitätsfaktoren sind bei jedem Kriterium bzw. jedem Indikator explizit benannt und fokussieren somit wiederholt die Bedeutung der Dauerwaldbewirtschaftung in diesem Zertifizierungsprozess. Die Berücksichtigung dieser Stabilitätsfaktoren bei der Waldbewirtschaftung führt nachweislich zu stabileren und resilienteren Wäldern.
Fazit
Das nach qualitativ hochwertigem Audit (der Zertifikatgeber hält eine Akkreditierung nach den ISO Normen 17021 für Waldzertifizierung in Deutschland und ist durch ASI (Assurance Services International) für Waldzertifizierung weltweit akkreditiert), erteilte ANW-Dauerwaldzertifikat in Mecklenburg-Vorpommern und Bayern ist ein umfassendes ökologisches Betriebszertifikat der Dauerwaldbewirtschaftung und signalisiert eine regional sichere und ökologisch nachhaltige Bewirtschaftungsform, insbesondere unter den besonderen Herausforderungen des Klimawandels.
Das Zertifikat wurde vom Bundesministerium für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat (BMLEH) nach umfangreicher Prüfung und Begutachtung als höherwertig wie PEFC und gleichwertig wie FSC/Naturland anerkannt. Den teilnehmenden Betrieben wurde der Höchstsatz der Bundeswaldprämie wie für FSC/Naturland zuerkannt. Es legitimiert die teilnehmenden zertifizierten Betriebe z.B. zur Beantragung von Fördermitteln nach dem Programm „Klimaangepasstes Waldmanagement“ und deren Überprüfung durch die Zertifizierer nach dem zusätzlich entwickelten ANW-Zertifikatsmodul
(FMR) Forest Management System für klimaResiliente Waldwirtschaft,
welches ebenfalls vom BMLEH genehmigt wurde. Zugangsmöglichkeiten zu einem sicheren CO2-Handel für ANW zertifizierte Dauerwaldbetriebe sind perspektivisch vorstellbar.
Die Zertifizierungsgrundlagen und Standards werden in einer Standardrevision aktuell den in 2024 verabschiedeten neuen Grundsätzen und Leitlinien der ANW angepasst und stehen in alter und demnächst neuer Form weiterhin allen ANW-Landesgruppen zur eigenen Anwendung offen.
Hans von der Goltz
Franz-Sales Fröhlich
Holger Weinauge
