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Vorankündigung

Bundesdelegiertentagung 2017

Die Bundesdelegiertentagung 2017 mit dem Thema "Wald und Wild"  -Bewertung einer Schicksalsgemeinschaft-

fand am 11. /12.05.2017 in Otzenhausen /Saarland statt.

Die Einladung (nur an gewählte Delegierte) und weitere Infos zum Ablauf der Tagung sind an die Landesgruppen verschickt worden.


Bundestagung 2016

Die Bundestagung 2016 mit dem Thema:

Toleranzmodell Dauerwald

Naturnähe verbindet - Segregation spaltet 

fand vom 19.05. - 21.05.2016 in Hameln/Nds. statt.

Den Vortrag Herrn Roland Burger "Integrative Waldwirtschaft und das Problem der Sozialpflichtigkeitsgrenze" finden Sie hier

Den Vorrtag von Herrn Dr. Klaus Merker "25 Jahre LOEWE und seine Wirkungen auf den Waldzustand" finden Sie hier


 


Zukunftswald mit Weißtanne

 

Wiedereinbringung, Jagdstrategie und angepasste Waldstrukturen

 

Im Rahmen der Festveranstaltung bei der Bundestagung der ANW-Deutschland am 15.05.2014 wurden folgende Vorträge gehalten:

„Die Weißtanne im waldbaulichen und jagdlichen Gesamtkonzept der LFV“  Dr. Dirk-Roger Eisenhauer, Sachsen Forst

„Ungeahnte standörtliche Möglichkeiten der Weißtanne“ Dr. Gerd Michiels, FVA Freiburg

„Weißtanne- eine ökologisch wertvolle Nadelbaumart“  Andreas Krug, BfN

„Erfolgreiche Einbringung und Sicherung der Weißtanne durch angepasste Jagdstrategie“ S. Schusser, Leiter Forstbezirk Eibenstock

“Weißtanne-eine vielseitige Alternative zur Fichte“ M.Echtle, Starkholzsägewerk in Baden-Württemberg

Die Vorträge der Referenten finden Sie hier:

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/ANW_Oberwiesenthal_Eisenhauer.pdf

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/ANW_Oberwiesenthal_Michiels.pdf

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/ANW_Oberwiesenthal_Krug.pdf

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/ANW_Oberwiesenthal_Schusser.pdf

http://www.anw-deutschland.de/media/pdf/ANW_Oberwiesenthal_Echtle.pdf

Weitere Informationen über die Bundestagung erhalten Sie im nächsten "Dauerwald" (Heft 50 August 14)

 


Grundsätze der ANW für Naturgemäße Waldwirtschaft

Vorwort von Hans von der Goltz

Nach der Verabschiedung der ökologischen Grundsätze im März 2013 durch die Delegierten-versammlung hatte der Vorstand den Auftrag, die Gesamtgrundsätze naturgemäßer Waldwirtschaft und unsere Zielsetzung noch einmal im Zusammenhang darzustellen.

Das hat eine kleine Arbeitsgruppe mit den Kollegen Mehl, Risse, Schölch, Wobst und von der Goltz getan und mit dem gesamten Vorstand abgestimmt. Wir werden bis zur Bundestagung im Mai 2014 eine entsprechende Broschüre und einen Internet-Auftritt fertigstellen und allen Mitgliedern zur Verfügung stellen.

Ich glaube, dass wir mit dieser Form der Darstellung gut verdeutlichen, dass wir mit unserer naturgemäßen Waldwirtschaft unser ökonomisches Oberziel konsequent verfolgen, aber auch ökologische und soziale Aspekte so berücksichtigen, dass der Wald nachhaltig die von ihm erwarteten Funktionen erfüllt. Wichtig ist für mich, dass der Einzelbetrieb entscheidet, in welcher Intensität er welchen Grundsatz „leben“ will.

Durch diese Festlegung werden aus unseren Grundsätzen mit Zahlen hinterlegte Standards. Ob diese Angebote von der Gesellschaft bezahlt oder im Rahmen der Sozialpflichtigkeit freiwillig geleistet werden, hängt von der Gesetzeslage und von dem Bewusstseinswandel in der Gesellschaft (Wald ist nicht kostenloser Selbstbedienungsladen gesellschaftlicher Gruppen) und dem Verhandlungsgeschick der Betriebe ab.

Die ANW stellt mit ihren Grundsätzen auf jeden Fall eine Grundlage für verantwortungsvollen nachhaltigen Umgang mit Wald zur Verfügung.

 

Grundsätze der ANW für Naturgemäße Waldwirtschaft

 

1. Die Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft e.V. (ANW)

Die ANW ist seit 1950 ein Zusammenschluss von Waldbesitzern, Forstleuten, Wissenschaftlern und  Waldinteressierten in der Bundesrepublik Deutschland. Ihre Mitglieder setzen sich ein für eine besonders verantwortungsbewusste, im umfassenden Sinne nachhaltige und damit multifunktionale naturverträgliche Form der Waldwirtschaft.

Die Bundesländer haben selbständige Landesgruppen, die in der Bundes-ANW zusammenge-schlossen sind.

Die Bundes-ANW ist Mitglied des europäischen Dachverbandes „Pro Silva“, des Deutschen Forstwirtschaftsrates (DFWR) sowie von PEFC und FSC. Die ANW ist politisch unabhängig und allen Waldbesitzarten gleichermaßen verbunden.

 

2. Ziele naturgemäßer Waldwirtschaft

Ziel ist die nachhaltige Erbringung ökonomischer, ökologischer und soziokultureller Leistungen des Waldes für Eigentum und Gesellschaft im Rahmen der Sozialpflichtigkeit. Der Wald muss so genutzt werden, dass seine vielfältigen Funktionen dauerhaft erhalten, ggf. verbessert werden. Er soll auch zukünftigen Generationen für die Erzeugung des nachwachsenden Rohstoffes Holz, als Einkommensquelle, zur Erholung und Gesundheit, sowie als Lebensraum für Flora und Fauna, insbesondere der am jeweiligen Standort natürlich vorkommenden Arten, zur Verfügung stehen.

Nach den Grundsätzen der naturgemäßen Waldwirtschaft bewirtschaftete Wälder entwickeln sich zu Dauerwald.

Mit ihm werden die Ziele weitgehend erreicht. Über die Sozialpflichtigkeit hinausgehende Leistungen sind durch die nutznießende Gesellschaft zu honorieren.

 

3. Ökonomische Grundsätze

Mit naturgemäßer Waldwirtschaft wollen wir den für den jeweiligen Standort nachhaltig optimalen Ertrag erwirtschaften. Hierbei beachten wir, dass biotische und abiotische Risiken steigen, je weiter wir uns mit der Waldform von den natürlichen Gegebenheiten entfernen und dass wesentliche Standortfaktoren (Klimawandel, Stoffeinträge) nicht mehr konstant sind.

Folgende ökonomische Grundsätze werden bei naturgemäßer Waldwirtschaft beachtet:

  • Entwicklung maximaler Ökosystemstabilität durch Aufbau standorttypischer strukturreicher Mischbestände
  • Verzicht auf Kahlschlag und Räumung – Es gilt der Grundsatz „Wald vor Wild“; natürlich vorkommende Vegetation muss sich ohne Schutz entwickeln können
  • Vorratspflege als dauerhafter Prozess zur Optimierung von Qualität, Zuwachs und Vitalität wertvoller Einzelbäume
  • Einzelbaumorientierte Pflege und Ernte
  • Stetigkeit in Pflege und Ernte; mehrere Eingriffe im Jahrzehnt mit mäßiger Eingriffsstärke
  • bestandesweise nur geringe Schwankungen von Optimal-Vorrat, Zuwachs und Nutzung
  • Förderung standortgerechter Baumarten
  • Berücksichtigung kleinstandörtlicher Unterschiede
  • Walderneuerung wo möglich und sinnvoll durch Naturverjüngung
  • Unterstützung der natürlichen Selbstdifferenzierung und Qualifizierung des Nachwuchses und Schutz vor Witterungsextremen durch langfristige Überschirmung
  • Schutz und ggf. Verbesserung der Ertragskraft des Bodens durch standortgerechte Baumartenmischung, ständige Überschirmung und Befahren nur auf dauerhaft angelegten, gekennzeichneten Rückegassen
  • Keine Verwendung gentechnisch veränderten Pflanzenmaterials

 

4. Ökologische Grundsätze

Im Rahmen naturgemäßer Waldwirtschaft wollen wir den am jeweiligen Standort natürlich vorkommenden Arten Lebensräume schaffen und erhalten. In dem dynamischen System Wald unterliegen die Lebensräume einem Wandel an Intensität und auch des Ortes, d.h. wir haben es mit einem umlaufenden System zu tun, das eine flächenscharfe konservierende Festlegung eines bestimmten Erhaltungszustandes über längere Zeit ausschließt.

Folgende ökologische Grundsätze werden bei naturgemäßer Waldwirtschaft beachtet:

  • Integration von Naturwaldelementen im naturgemäßen Wirtschaftswald
  • Verantwortliche Waldwirtschaft braucht nichtbewirtschaftete Vorsorgeflächen als Weiserflächen
  • Strukturvielfalt schafft Lücken für licht- und wärmeliebende Arten ebenso, wie Bereiche der Termina lund Zerfallsphase. (Biodiversität)
  • Bodenfruchtbarkeit erhalten, z.B. durch Belassen von Totholz und Verzicht auf Holznutzung unterhalb der Derbholzgrenze (7cm)
  • Holzernte und Rückung zu Zeiten und mit Verfahren bestmöglicher Bestandes- und Bodenschonung
  • Standortgerechte heimische Baumarten charakterisieren den naturgemäßen Wald. Nichtheimische standortgerechte Baumarten können einzeln bis gruppenweise eingemischt werden
  • Förderung von ökologisch wichtigen oder seltenen Baumarten
  • Grundsätzlicher Verzicht auf Einsatz ökosystemfremder Stoffe (Dünger, Biozide)
  • genetische Vielfalt wird über Naturverjüngung gesichert
  • Bäume werden nach ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen bewertet und entsprechend behandelt. Der historische Leitsatz: „Das Schlechte fällt zuerst, das Gute bleibt erhalten“ wird entsprechend weiterentwickelt.

Ökologische Wertleistungen oberhalb der Sozialpflichtigkeit sollen betriebsindividuell bewertet und zum Anreiz honoriert werden.

 

5. Dauerwald sichert soziokulturelle Waldfunktionen

Die ANW erkennt die wachsende Bedeutung des Waldes für das psychische und physische Wohlbefinden der Menschen insbesondere in dichtbesiedelten Ländern. Naturgemäß bewirtschafteter Wald erfüllt die soziokulturellen Erwartungen der Gesellschaft optimal.

Wichtige Elemente soziokultureller Waldfunktionen:

  • Wald als Erholungs- und Gesundheitsraum
  • Alte Waldnutzungsformen als Kulturgut
  • Qualifizierte Arbeitsplätze in der Forst- und Holzwirtschaft
  • Schutz unserer Lebensgrundlagen z.B. Boden vor Erosion, Wasser vor Belastungen
  • Erzeugung und Verwendung von Holz als wichtiger Beitrag zur Minderung der CO2- und Klimaproblematik

Naturgemäße Waldwirtschaft leistet einen besonders hohen Beitrag, um die soziokulturellen Funktionen des

Waldes bestmöglich zu erfüllen.

Unsere ganzheitliche Betrachtung des Waldes stellt sicher, dass im Rahmen der naturgemäßen Waldwirtschaft die Vielfalt der vom Wald geforderten Leistungen nachhaltig für Generationen optimal erfüllt wird.

ANW-Deutschland

www.anw-deutschland.de

 

Diese Grundsätze finden Sie als PDF-Datei und als Broschüre  unter "Die ANW -->Grundsätze"


 


 

Bewertung von Naturschutzleistungen im bewirtschafteten Wald

Naturschutzleistungen als Teil der nachhaltigen Waldwirtschaft ja, aber wie ist es mit den ökonmischen Folgen für einen Forstbetrieb? Viele Waldbesitzer sind bereit, den wachsenden ökologischen Forderungen im Wald nachzukommen, wenn es sich nur für die Natur lohnt.

Welche Leistungen können für den Naturschutz im naturgemäßen Wirschaftswald angeboten werden? Wie lassen sie sich bewerten? Wann wird die Schwelle der Sozialpflichtigkeit im Wald überschritten.

Zu diesen Fragestellungen wurden am 15.10.2013 bei einer viel beachteten und gut besuchten Tagung der ANW Landesgruppe NRW in Schmallenberg die unten aufgeführten Vorträge gehalten.

Vortrag von Dr. B. Seintsch: Nutzen und Kosten von Naturschutz im Wald

Vortrag von Prof. Dr. M. Paschke: Rechtliche Bewertung behördlicher Unterschutzstellungen

Vortrag von A. Krug / Dr. A. Höltermann: Integrativer Naturschutz im Wald - Beitrag zur Weiterentwicklung der Multifunktionalität

Die Vorträge stehen als Power Point Präsentation unter www.anw-nrw.de/de/dokumentation/ zur Verfügung.

 

 


 


 

Ökologische Grundsätze Naturgemäßer Waldwirtschaft

 

Vorwort des Bundesvorsitzenden Hans von der Goltz:

Im Anschluss werden die bei der Bundesdelegiertentagung 2013 beschlossenen ökologischen Grundsätze veröffentlicht.

Dem einen werden sie nicht weit genug gehen, da z.B. Zahlen fehlen. Grundsätze sind eben keine Standards. Dem anderen ist das schon zu weitgehend.

Uns war wichtig, dass wir als Naturgemäße auch die ökologische Säule ordnungsgemäßer Waldwirtschaft aktiv besetzen, denn nur eine ausgewogene Beachtung von Ökonomie, Ökologie und Sozialem im multifunktionalen Wald gewährleistet die vielgepriesene, aber nicht immer gelebte Nachhaltigkeit.

Wir bekennen uns zur Multifunktionalität und sprechen uns gegen die Segregation und gegen nicht fachlich begründete großflächige Waldstilllegungen aus.

Wir wollen wirtschaften und mit Wald Geld verdienen, ggf. auch mit ökologischen Wertleistungen oberhalb der Grenze der Sozialpflichtigkeit.

Wir wollen aber gleichzeitig auch natürliche Lebensräume durch Integration von Naturschutzelementen sichern.

Wir sind damit die ersten Waldbewirtschafter in Deutschland, die sich ihre eigenen ökologischen Grundsätze gegeben haben.

 

Ökologische Grundsätze Naturgemäßer Waldwirtschaft

(Stand 05.06.2013)

 

Dauerwald ist Nachhaltswald

Naturgemäße Waldwirtschaft orientiert sich in hohem Maße an den natürlichen Wachstumsprozessen mitteleuropäischer Urwälder. Einzelbaumweise oder kleinflächige Nutzungen führen zum Dauerwald. Dieser ist die ökonomisch und ökologisch wertvollste Form der nachhaltigen Waldbewirtschaftung. Die Bewirtschaftung im Dauerwald kann alle von dem Wald erwarteten Funktionen berücksichtigen. Die einzelbaum- und gruppenweise Nutzung, das Nebeneinander verschiedener Baumdurchmesser, Altersstadien und Waldentwicklungsphasen im rotierenden System sind im Vergleich zu anderen Bewirtschaftungsformen wie Schirmschlag oder Kahlschlag am besten geeignet, ökonomische, ökologische und soziokulturelle Ziele der Gesellschaft dauerhaft auf der selben Fläche zu integrieren.

 

Ökologische Wertleistungen gehen häufig über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinaus. Sie müssen dann nach anerkannten Maßstäben bewertet und betriebsindividuell vergütet werden.

 

Umfassende fachliche Qualifikation und ausreichende Personalausstattung sind zentrale Voraussetzungen, um die steigenden Anforderungen der Gesellschaft an die Nachhaltigkeit im Wald zu sichern.

 

Naturgemäße Waldwirtschaft ist ein Toleranzmodell, das im multifunktionalen Wald zwischen den unterschiedlichen Ansprüchen ausgleichend wirkt und optimiert. Die ANW propagiert unter Einbeziehung von Biotopbäumen und kleinflächigen Stilllegungen wie Habitatbaumgruppen oder Refugien  ein integratives Konzept. Großflächige Stilllegungen sollen nach wissenschaftlichen Maßstäben ausgewählt werden und der Erforschung der natürlichen Waldentwicklung (Vorsorgeflächen) dienen. Kennzeichnend ist die ganzheitliche Betrachtung des Waldes als dauerhaftes, vielgestaltiges und vor allen Dingen dynamisches Ökosystem.

 

Naturgemäße Waldwirtschaft ist ein Konzept, das aus unserem ganzheitlichen Selbstverständnis heraus

 

Mit unseren folgenden ökologischen Grundsätzen zu naturgemäßer Waldwirtschaft - viele sind seit jeher selbstverständliche Kriterien -  wollen wir den am jeweiligen Standort natürlich vorkommenden Arten Lebensräume erhalten und schaffen. Je nach Bestandesentwicklung unterliegen die Lebensräume einem Wandel an Intensität und auch des Ortes. Wald ist ein dynamisches System. Werden die Grundsätze umgesetzt, wird auch dem Anspruch auf optimale Biodiversität im bewirtschafteten Wald Rechnung getragen.

 

  1.       Integration von Naturwaldelementen im naturgemäßen Wirtschaftswald

Naturwaldelemente wie alte Bäume,  Biotopbäume sowie stehendes und liegendes  Totholz kennzeichnen naturgemäße Waldbestände. Sie können einzeln oder gruppenweise vorkommen. Insbesondere Wälder mit alten Bäumen in der Alters- und Zerfallsphase sind selten. Sie sind ein wichtiges Naturerbe, wirken als Trittsteine und bieten Lebensraum für eine Vielzahl vom Aussterben bedrohter Arten. Durch naturgemäße Waldbewirtschaftung mit langen Nutzungszeiträumen sollen Naturwaldelemente erhalten und gefördert werden. Wichtige Kriterien zur Lebensraumerhaltung sind Dichte, Menge und Vernetzung der Trittsteine. Ihre Qualität soll sich an wissenschaftlichen Erkenntnissen orientieren.

 

2.)        Verantwortliche Waldwirtschaft braucht Vorsorgeflächen

Vorsorgeflächen sind nicht bewirtschaftete Weiserflächen unterschiedlicher Größe. Sie dienen der Praxis zum besseren Verständnis der natürlichen Waldentwicklung, der Wissenschaft zur Untersuchung, sowie als mögliche Spenderflächen. Sie liefern Erkenntnisse z.B. über Konsequenzen des Klimawandels und der daraus abzuleitenden Maßnahmen.

 

3.)       Strukturvielfalt schaffen

Naturgemäße Waldpflege durch einzelstammweise Ernte entwickelt und erhält strukturreiche Wälder, in deren Lücken auch licht- und wärmeliebende Arten vielfältigen Lebensraum finden. Walddynamische Prozesse wie z.B. das kleinflächige Nebeneinander verschiedener Waldentwicklungsphasen einschließlich der Terminal- und Zerfallsphase kennzeichnen den naturgemäß bewirtschafteten Wald. Die Nutzung einzelner Biotopbäume ist ausnahmsweise möglich, sofern die Qualität des Lebensraumes insgesamt erhalten bleibt.

 

4.)        Bodenfruchtbarkeit erhalten

Biomassenutzung darf die Nährstoffnachhaltigkeit des Standortes nicht gefährden.

Äste und Zweige stellen einen wichtigen Nährstoffspeicher im natürlichen Nährstoffkreislauf von Waldstandorten dar. In Rinden, Blättern und Knospen sind besonders viele Nährstoffe konzentriert. Um  den natürlichen Nährstoffhaushalt und die Humusform eines Standortes nicht zu verschlechtern, soll auf die Nutzung von Holz unterhalb der Derbholzgrenze (7 cm Durchmesser) verzichtet werden.

 

5.)        Verwendung waldangepasster Forsttechnik

Waldböden sind von Natur aus hochkomplexe Lebensräume. Durch flächige Bodenverdichtung, Bodenbearbeitung oder Kahlschlag kommt es zu bleibenden  Veränderungen der Stoffkreisläufe, des Wasserhaushaltes sowie der Bodenlebewesen. Im Interesse der ökonomischen und ökologischen Nachhaltigkeit gilt es, vorausschauend nach dem Vorsorgeprinzip zu handeln. Deshalb sind boden- und bestandespflegliche Holzernteverfahren zu nutzen und weiter zu entwickeln.

 

  1.       Verantwortungsvolle Baumartenwahl

Standortgerechte, heimische Baumarten charakterisieren den naturgemäßen Wald. Insbesondere im Klimawandel können nichtheimische standortgerechte Baumarten einzeln bis gruppenweise eingemischt werden.

 

  7.)        Schalenwildbestände anpassen

Überhöhte Wildbestände verändern durch selektiven Verbiss das natürliche Artenspektrum holziger und krautiger Pflanzen. Dies führt  zum Verlust von Arten oder zu einer Verschiebung natürlicher Konkurrenzverhältnisse zwischen Baumarten. Nur angepasste Wilddichten gewährleisten alle Waldfunktionen

Geeignete Vegetationsgutachten (z. B. Weisergatter/Parallelfläche) dienen zur Kontrolle, Bewertung und Entscheidung über die Höhe der Regulierung.

 

  1.       Förderung von ökologisch wichtigen oder seltenen Baumarten

Im Rahmen der Entwicklung und des Erhalts strukturreicher Mischwälder werden Baumarten mit überdurchschnittlichem Beitrag zur biologischen Vielfalt wie Ahorn- Eichen-, Linden-, Ulmen- und Weidenarten, Wildobst, Aspe, Eibe, Elsbeere, Speierling und Weißtanne je nach Standort erhalten und gefördert.

 

  9.)        Naturverjüngung sichert genetische Vielfalt

Eine breite natürliche Variabilität ist Voraussetzung für notwendige Anpassungsprozesse auf Grund sich ändernder Umweltbedingungen. Insbesondere artenreiche und kontinuierliche Naturverjüngung gewährleistet die natürliche genetische Vielfalt.

Bei notwendiger Kunstverjüngung wird herkunftsgesichertes Saat- und Pflanzgut verwandt. Gentechnisch veränderte Organismen werden abgelehnt, da ihre Auswirkungen auf das komplexe Ökosystem Wald nicht kalkulierbar sind.

 

  10.)      Bäume werden nach ihren Funktionen differenziert beurteilt.

Der historische Leitsatz: „Das Schlechte fällt zuerst, das Gute bleibt erhalten.“ erfährt eine Weiterentwicklung dahingehend, dass Bäume nach ihren ökonomischen, ökologischen und sozialen Funktionen bewertet und entsprechend behandelt werden.

 

 

Inwertsetzung und finanzieller Ausgleich

 

Die Integration von Naturschutzbelangen im bewirtschafteten Wald ist häufig mit Verzicht auf Holznutzung und erhöhtem Aufwand bei der Bewirtschaftung verbunden. Sofern diese ökologischen Wertleistungen über die Sozialpflichtigkeit des Eigentums hinaus gehen, müssen sie nach anerkannten Maßstäben bewertet und betriebsindividuell vergütet werden. Da es sich um freiwillige Leistungen mit langfristig wechselnder Intensität an verschiedenen Orten handelt, ist von dem statischen Element der Unterschutzstellung auch ökologisch hochwertiger bewirtschafteter Waldflächen in der Regel abzusehen. An die Stelle könnte eine öffentliche Anerkennung einer besonderen ökologischen Leistung treten.

 

Dauerwald ist mehr als dauernd Wald!

 

Die ökologischen Grundsätze als PDF-Datei finden Sie hier


 

 

Bundesdelegiertentagung 11./12.03.2013  Prüm/Eifel


Das Impulsreferat von Herrn Dr. P. Meyer  finden Sie als PDF-Datei hier

 

 

Arbeitsgemeinschaft Naturgemäße Waldwirtschaft - Poststr. 7 - 57392 Schmallenberg - info@anw-deutschland.de Tel: 0241 - 62279 Fax: 0241 - 1896916